Schweizer rennen wegen Viagra zur Apotheke

Zusammenfassung: Kaum ist Viagra rezeptfrei erhältlich, steigt die Nachfrage in Schweizer Apotheken sprunghaft an. Gerade bei jungen Männern ist das potenzsteigernde Medikament beliebt.

Inhaltsverzeichnis

Viagra in der Schweiz

Am 02.April hat das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Liste von Medikamenten erweitert, die Apotheker auch ohne Rezept abgeben dürfen. Unter den neu aufgenommenen Arzneimitteln ist auch Sildenafil, der Wirkstoff im Potenzmittel Viagra.

"Wir hatten heute extrem viele Leute, die uns den Laden praktisch einrannten und nach Viagra fragten", sagt die Aargauer Apothekerin Noëlle Blum. "Sie hatten die Neuigkeit in den Zeitungen gelesen und wollten das Medikament kaufen." So einfach dürften die Apotheken das Medikament allerdings nicht abgeben, sagt Blum. Gemäss Studien korreliere eine Potenzstörung mit einem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und sollte somit immer zuerst ärztlich abgeklärt werden.

Zudem könne das Medikament, heftige Nebenwirkungen hervorrufen, etwa extremen Blutdruckabfall. "Man kann Viagra nicht einfach ohne Untersuchung, Beratung oder Kontrolle abgeben – das Risiko, etwas zu verpassen, das medizinisch relevant ist, wäre zu gross", sagt die Apothekerin.

Viagra aus der schweizer Apotheke

Zweifelhafte Qualität bei Import-Potenzmittel

Auch im Internet boomt der Handel mit Potenzmitteln. Da im Ausland die Medikamente um ein Vielfaches billiger sind als in der Schweiz, werden erektionssteigernde Generika massenweise online importiert. Von den beschlagnahmten Medikamenten, die 2019 illegal importiert wurden, waren über 90 Prozent Erektionsförderer. Zwar sei der Import von einem persönlichem Monatsbedarf an Medikamenten erlaubt, grössere Mengen seien aber illegal. Trotzdem gibt es hier einen entscheidenen Unterschied zu Deutschland, wo auch der Import kleinerer Mengen nicht erlaubt ist.

Potenzsteigernde Medikamente als Lifestylemittel

Viagra und Co. sind gerade bei Männern zwischen 18 und 34 Jahren beliebt. Auch einer unserer Leser ist davon überzeugt: "Das Coole ist, man hat einen Betonständer." Dieser versetze Frauen wirkungsvoll in Ekstase. "Das gibt einem ein richtiges Hengst-Gefühl." Das habe auch mit der Pornoindustrie zu tun. Die Männer in den Filmen haben immer eine Erektion, einen grossen Penis und viele Frauen, die sie befriedigen. Das entspricht überhaupt nicht der Realität. Für viele junge Männer seien potenzsteigernde Medikamente ein Lifestylemittel für ONS. Obwohl sie es nicht nötig haben, nehmen sie es ein, um sich als noch bessere Hengste zu fühlen.

Viagra kann zu sexuellen Störungen führen

Experten warnen vor einem übermässigen Viagra-Konsum in jungen Jahren. Im Prinzip spricht nichts gegen das Ausprobieren, denn PDE-5-Hemmer haben keine suchtfördernde Auswirkungen. Aber bei einem wiederholten Einnehmen könne das Vertrauen in die eigene Erektionsfähigkeit verloren gehen. Dies könne dann zu einer psychogenen Erektionsproblematik führen. Die betroffenen Männer können zwar physisch noch eine Erektion bekommen, haben aber im Hirn eine Blockade und können doch nicht mehr ohne Potenzmittel. Das ist ein Teufelskreis. Dieser könne so weit führen, dass die Betroffenen in Therapie müssen.

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Asklepios Klinik Barmbek, Abteilung für Urologie Rübenkamp 220 22291 Hamburg
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